Hepatitis B

Eine virusbedingte Volkserkrankung

Die Hepatitis B ist eine virusbedingte Entzündung der Leber. Weltweit sind 300 bis 400 Millionen Menschen betroffen, wobei es erhebliche regionale Unterschiede gibt. In Teilen Afrikas oder Asiens betrifft die Erkrankung bis zu 30% der Bevölkerung, während sie in Nordamerika oder Westeuropa mit etwa 0,6% wesentlich seltener auftritt.

Die Infektion erfolgt entweder während der Geburt von der Mutter auf das Kind, über Geschlechtsverkehr oder durch direkten Blutkontakt, z.B. durch infizierte Injektionsnadeln (bei Drogenabhängigen oder bei Verwendung unzureichend sterilisierter Nadeln zum Mehrfachgebrauch). Risikogruppen sind Menschen, die Nadeln benutzen, Beschäftigte in Krankenhäusern oder Arztpraxen wie auch Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern oder Lebenspartner von Infizierten. Ein erhöhtes Risiko besteht auch für Menschen, die häufig mit Blutprodukten in Kontakt kommen wie Hämophilie- oder Dialysepatienten.

In früheren Jahren war einer der häufigsten Übertragungswege die Gabe verunreinigter Blutprodukte. Dieser Infektionsweg kommt in den industrialisierten Ländern durch die hohen Sicherheitsstandards praktisch nicht mehr vor. Die Erkrankung ist ansteckender als z.B. Hepatitis C. Ein Infizierter mit sehr starker Virusbildung im Blut kann die Erkrankung sogar durch engen körperlichen Kontakt weitergeben. Der übliche zwischenmenschliche und familiäre Kontakt – einschliesslich z. B. gemeinsame Benutzung von Essbesteck oder Toiletten – ist jedoch ungefährlich.

Hepatitis B - Wie verläuft eine akute Erkrankung?

Ein grosser Teil der Infektionen im Erwachsenenalter (95%) heilt vollständig aus.

Zum einen Teil wird die Erkrankung selbst gar nicht bemerkt (65%). Erst im Rahmen einer Blutuntersuchung fällt dann auf, dass ein Kontakt mit dem Erreger stattgefunden hat. Die Infektion ist dann jedoch bereits folgenlos ausgeheilt und es besteht im Regelfall eine Immunität gegen Hepatitis B.

Bei einem anderen Teil der akuten Infektionen kommt es zu einem ausgeprägten Krankheitsverlauf mit Unwohlsein, Schwäche, Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen und evtl. Gelbsucht (Ikterus) sowie stark erhöhten Leberwerten. Dieser dauert aber meist nicht länger als 6 Wochen an und mündet dann meist in eine Ausheilung (30%).

Hepatitis B - Wie verläuft die chronische Erkrankung?

Chronische Erkrankung bei Erwachsenen

Etwa 5% der Patienten werden im Erwachsenenalter infiziert und die Erkrankung bleibt chronisch aktiv. Häufig bemerkt man die Hepatitisinfektion gar nicht. Die Erkrankung verläuft meist von Anfang an nur mit mässig erhöhten Leberwerten und ohne Symptome. Ein erhöhtes Risiko hierfür besteht bei Dialysepatienten, Transplantationspatienten und Drogenkonsum. Bei chronischer Erkrankung besteht, abhängig von der Virusmenge (mehr als 2000 IE Viruskopien/ml Blut, entsprechend 2 000 IU/ml) und/oder Aktivität und Fibrose >= 1, eine Behandlungsindikation.

 

Chronische Erkrankung bei Säuglingen

Bei Infektionen im Säuglings- oder Kindesalter ist der Verlauf der Erkrankung anders als beim Erwachsenen: hier kommt es bei über 90% der Infizierten zu einem chronischen, allerdings meist wenig aggressiven Verlauf. Diese Patienten sind als Virusträger zeitlebens eine Infektionsquelle, haben aber selbst oft nur eine geringe Leberschädigung.

 

Risiko der chronischen Erkrankung mit Hepatitis B

Das Risiko einer chronischen Hepatitis B liegt – über Jahre oder Jahrzehnte – in der Entwicklung einer Leberzirrhose und eines primären Leberkrebses (hepatozelluläres Karzinom, HCC). Diese Entwicklung macht die Hepatitis B immerhin zur zehnthäufigsten Todesursache der Welt.

Wie wird die Hepatitis B diagnostiziert?

Die Hepatitis B wird ganz einfach durch eine Blutentnahme diagnostiziert. Dabei erfolgt die Bestimmung des Hepatitis-s-Antigens (HbsAG). Die zusätzliche Bestimmung des Hbc-Antikörpers und Hbs-Antikörpers ergeben eine Aussage über eine durchgemachte Erkrankung und die Immunität/den Impfschutz.

Wie wird die Hepatitis B behandelt?

Mittlerweile gibt es sehr gute Therapiemöglichkeiten der chronischen Hepatitis B, die entweder zu einer vollständigen Ausheilung oder zumindest Kontrolle führen. Dazu gehört die Therapie mit Interferon, Nukleosid- oder Nukleotidanaloga.

Eine Interferontherapie funktioniert nur bei positivem Hepatitis B e-Antigen Befund (HBe-Ag positiv). Auf Interferon spricht dann circa ein Drittel dieser Patienten mit einer vollständigen Ausheillung an.

Neben dem Interferon gibt es die Stoffgruppen der Nukleosid- und Nukleotidanaloga (Lamivudin, Adefovir,Tenofovir, Telbivudin, Entecavir und andere), welche als Tablette einfach einmal täglich einzunehmen sind und bei adäquater Therapie zu einer vollständigen Unterdrückung des Virus führen. Hier kommt es im zeitlichen Verlauf zu zunehmenden Heilungsraten. Meist besteht jedoch die Notwendigkeit für eine lebenslange Therapie.

Ob und mit welchem Medikament ein Patient mit chronischer Hepatitis B behandelt werden soll, hängt von vielen Umständen wie der individuellen Krankheitsgeschichte und den Blutwerten ab. Die Therapieentscheidungen und die Planung sind hier komplex und sollten nur von einem erfahrenen Arzt vorgenommen werden. Alkoholabhängigkeit oder laufender Drogenkonsum stellen keine Kontraindikationen zur Therapie mehr dar.
Wir beraten Sie gerne kompetent und umfassend.

Wer sollte Hepatitis B impfen?

Besser als jede antivirale Behandlung einer Infektion ist die Verhinderung durch eine Impfung. Der derzeit verwendete Impfstoff, der gentechnisch hergestellt wird, ist gut verträglich und zeigt ein hohes Impf-Ansprechen. Die Impfung schützt dann zuverlässig vor einer Infektion. Generell ist die Impfung empfehlenswert.

Die Impfung gegen Hepatitis B ist bei Neugeboren empfohlen. Geimpft werden sollte aber auch jeder Erwachsene, der ein erhöhtes Infektionsrisiko hat (Partner und Kinder von Infizierten, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Dialysepatienten, Drogenabhängige).